Niemand wird mit Migräne geboren. An Migräne ist aber auch noch niemand gestorben. Die Migräne ist irgendwann im Verlauf des Lebens entstanden. Die Migräne ist keine gefährliche Krankheit, sonst würden Migräniker früher versterben als andere Leute. Tun sie aber nicht. Im Gegenteil, irgendwann verschwindet die Migräne wieder. Zwischen dem 10. Lebensjahr und dem 50. Lebensjahr ist die Migräne heimisch. Danach und davor ist sie selten.

Weswegen kommt sie und weswegen geht sie? Vor allem die Tatsache, daß die Migräne wieder verschwindet, und dies von alleine, sollte Grund zum Nachdenken sein. Auf jeden Fall ist die Aussage von manchen Medizinern, daß die Migräne nicht heilbar sei, von
vorneherein offensichtlich falsch. Der Migränepatient muß nur die Zeit überstehen, bis er 50 Jahre alt geworden ist, dann ist diese ausgeheilt und dies sogar von alleine. Jedenfalls laut Statistik.

Wenn also die Migräne von alleine wieder verschwindet, so wie sie gekommen war, dann sollte es Mittel und Wege geben, in diesen offensichtlich selbstablaufenden Prozeß aktiv einzugreifen um den Migränezustand etwas früher zu beenden, als dies die Natur von selbst tun würde.

Daß die Migräne nicht heilbar sein soll, ist jedenfalls Unsinn, denn alleine das abwartende Nichtstun bewirkt bereits die Ausheilung.

Den Schlüssel zur Lösung bietet die Biokinematik des Körpers und die zugehörige Biokybernetik. In diese muß man sich allerdings etwas vertiefen, will man die Zusammenhänge verstehen.

Was ist Migräne?

Die Migräne stellt sich als Doppelstörung dar.
Wie jeder andere Schmerz läßt sich auch der Migräneschmerz auf ein gemeinsames universelles Ursachenprinzip zurückführen. Was einen normalen Kopfschmerz in dasjenige verwandelt, was unter Migräne zu verstehen ist, das ist die kombinierte Störung zweier verschiedener Funktionen der HWS.

Die HWS ist nicht nur zum Tragen des Schädels da, sondern sie ist darüberhinaus ein Sinnesorgan. Wenn ein Migränezustand entstanden ist, dann ist sowohl die mechanische Funktion der HWS, wie auch die sinnesphysiologische Funktion der HWS in einen Entgleisungszustand geraten > Die HWS als Sinnesorgan.

Die HWS ist dafür verantwortlich, die Sinnesinformationen, welche über die Sinnesorgane des Schädels aufgenommen werden (Auge, Nase, Ohr) mit den Sinnesinformationen, welche die inneren Zustände des Körpers darstellen (Kraft, Lagezustand des Körpers, Gliederwinkel), zu koordinieren. Die HWS ist das funktionelle Bindeglied zwischen Schädel und Körper.

Ebenso wie die mechanische Funktion kann die sinnesphysiologische Funktion der HWS gestört sein. Dies sieht dann so aus, als wäre ein Sinnesorgan selbst gestört, obwohl es das gar nicht ist. So kann es Sehstörungen (Schleiersehen), Hörstörungen (Tinnitus) oder Gleichgewichtsstörungen (Schwindel) geben, wobei das zuständige Hauptorgan für sich gesehen völlig gesund ist. (Beim Tinnitus z.B. ist das Gehör regelmäßig völlig in Ordnung.)

Das kann im Extremfall z.B. bis hin zu dauerhafter Blindheit führen, ohne daß Schmerzen auftreten, und ohne daß am Auge auch nur die geringsten Veränderungen bestehen (Migräne ohne Schmerz). Versteht sich, daß solche Patienten früher oder später im Fachgebiet der Psychiatrie eingeordnet werden.

Im Fall der Migräne herrscht ein gründliches Durcheinander zwischen Sinnesphysiologie und Bewegungsphysiologie. Sowohl die Mechanik, wie das Denken sind im Chaoszustand. Es geht nichts mehr.

Schmerzen, wie Wahrnehmungsstörungen können sowohl einzeln wie auch in beliebiger Kombination auftreten. Es gibt also auch Migräneanfälle ohne Schmerzen. Das läuft dann isoliert unter Konzentrationsstörungen, Kreislaufstörungen, Tinnitus, Schwindel, Angst- und Panikzustände…

Die mechanischen Systeme der Augen, der Ohren, des Gleichgewichtsorgans, der Arterien und Venen, des Kauapparates, der Atmung sowie der Halswirbelsäule (HWS) sind auf sorgfältige Abstimmung angewiesen, damit sie ihre Aufgaben verrichten können.

Die verbindenden Elemente all dieser Teile sind die großen und kleinen Muskeln des Halses. Muskeln sind sehr empfindlich und reagieren schnell auf Umgebungseinflüsse. Bei einseitiger Beanspruchung gehen Beweglichkeiten verloren, bei Gewalteinwirkungen (Dehntrauma) wird deren Funktion blockiert. Im speziellen Fall kann die Gesamtheit der muskulären Funktionen so durcheinander geraten, daß die HWS-Funktionen in einen Zustand entgleisen, der als Migräne empfunden wird (siehe Bildbeispiel).

Spezielle psychologische Situationen (angenehm oder unangenehm), diverse Medikamente, Nahrungsmittel, das Wetter, Hormonwechsel, psychischer Entspannungszustand (Wochenendmigräne) u.v.m. können Anlaß für das Auslösen dieser Entgleisung sein. Ursache ist jedoch stets die gestörte Zusammenarbeit verschiedener Halsmuskeln.

Die Therapie

Sowohl die mechanische Störung der HWS, welche die Schmerzen verursacht, wie auch die sinnesphysiologischen Störungen der HWS, welche die Begleitphänomene bei der Migräne verursachen, können über dieselben Therapieschritte behoben werden.

Es sind dies die gleichen Therapieschritte, wie bei jeder anderen Störung der Biokinematik auch.

– Normalisierung pathologischer Spannungen möglichst durch therapeutische Maßnahmen von außen (Injektion, Palpation, assistierte Übungen),

– Synchronisation der Bewegungen,

– Wiederherstellung physiologischer, vor allem symmetrischer Beweglichkeitsmuster,

– Rezidivprophylaxe durch Einschulung in Theorie, Physiologie, Anatomie, Selbsttherapietechniken.