Im menschlichen Kiefer-Gebiss-System können neben Karius und Baktus verschiedene Störungen des Bewegungsapparates auftreten. Am häufigsten fallen hierunter Zahnfehlstellungen. Auch Zähneknirschen oder –beißen sowie Verspannungen im Bereich der Kaumuskulatur werden immer häufiger. Diese werden meistens durch Maßnahmen korrigiert, welche eine Krafteinwirkung von außen auf den Körper darstellen. So soll der Körper wieder „ins Lot“ gebracht werden. Zum Einsatz kommen Zahnspangen in verschiedenen Ausfertigungen, Beißschienen etc.

Das mag auf den ersten Blick die naheliegende Lösung sein und führt scheinbar auch zum Erfolg, da sich eine optisch sichtbare Korrektur einstellt. Betrachtet man den Körper in seiner Embryonalentwicklung, so stellt man fest, dass sich alle Knochen und Muskeln passgenau zueinander ausbilden. Das bedeutet: Alle Knochen eines Körpers bilden ein aufeinander abgestimmtes System. Gleiches gilt für die Muskulatur. Entsteht hierbei bereits während der Entwicklung eine Fehlfunktion in einem Muskel, kann beispielsweise eine Zahnfehlstellung resultieren. Wichtig ist aber zu berücksichtigen, dass die anderen Muskeln und Knochen mit dieser Fehlfunktion harmonisch gewachsen sind.

Der Körper mag optisch nicht gerade sein- dennoch ist er in sich stimmig. Ein punktueller Eingriff von außen ohne Berücksichtigung des ganzen Systems ist daher problematisch. Setzt man eine Zahnspange ein, so wirkt permanent eine Kraft auf die Kieferknochen. Die Folge: Der Kiefer baut sich um. Die Zähne werden infolgedessen gerader. Auch die Ansätze der Muskeln, die am Kiefer befestigt sind werden verändert und mit ihnen verändert sich die muskuläre Bahn.

Die Konsequenz ist, dass ein umgestalteter Kiefer einem Körper gegenüber steht, der in seinem Ursprungszustand geblieben ist. Kiefer und Körper passen nicht mehr zueinander. Die möglichen Spätfolgen sind unkalkulierbar: Migräne, Konzentrationsstörungen oder Beeinträchtigungen der Empfindungsfähigkeit können daraus resultieren. Es ist daher wichtig, genau abzuwägen ob eine Zahnspange wirklich vonnöten ist. Die Biokinematik vertritt den Ansatz, die muskuläre Fehlfunktion aufzusuchen und zu therapieren. Dies ist jedoch bei Zahnfehlstellungen häufig eine komplexe Aufgabe.

Andere Störungen des Kiefers wie Knirschen oder Beißen entstehen durch eine erworbene Fehlfunktion der Kau- und Kiefermuskulatur. Diese kann gezielt therapiert werden, so dass das Tragen einer Schiene nicht mehr erforderlich ist.