Wozu die Bandscheiben gut sind

Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären ein Fisch und hätten keine Bandscheiben. Sie schweben im Wasser und wollen vorwärtskommen. Wie wollen Sie die Schwimmbewegungen ohne Bandscheiben zustandebringen? Die linke Körperhälfte verkürzen, dann die rechte Körperhälfte verkürzen, das immer im Wechsel einmal rechts und einmal links damit Ihre Schwanzflosse Sie kraftvoll und schnell durchs Wasser schieben kann. Wie sollte das möglich sein, wenn Sie keine Bandscheiben als Bewegungszentrum hätten?

Das Wirbeltier, also auch der Mensch, besteht in seinem Bewegungsapparat eigentlich aus zwei Körpern; aus einem linken Körper und aus einem rechten Körper. Der linke Körper ist zum rechten Körper spiegelsymmetrisch gleichartig gebaut. In der Mitte sind diese beiden Körper zusammengewachsen. Die Symmetrieebene geht mitten durch die Wirbelsäule. Zwischen diesen beiden Körpern gibt es keine einzige muskuläre Querverbindung, keine nervöse Querverbindung und auch sonst keine Verbindung von links nach rechts. Und trotzdem arbeiten diese Körper gemeinsam wie ein einziger Körper.

Das funktioniert dadurch, daß beiden Körpern eine gemeinsame Steuerung, das Gehirn, aufgesetzt ist und daß es eben Bandscheiben gibt.

Die einzigen Bauteile die den beiden Körperhälften gleichzeitig gehören, welche sich die linke und die rechte Körperhälfte in der Benutzung teilen, das sind auf der Hinterseite des Körpers die Bandscheiben und auf der Vorderseite des Körpers die Schambeinfuge und die Rippenknorpel. Die Bandscheibe wird so zum Bindeglied zwischen der linken und der rechten Seite.

Wie beim Fisch deutlich zu sehen ist, ist das Wirbeltier in seinem Grundmuster segmentiert aufgebaut. Alle Segmente hintereinandergereiht ergeben den gesamten Körper. Im Laufe der Evolution wurden verschiedene Segmente zu speziellen Funktionen zusammengefaßt und in ihrer Form verändert. So entstanden die Glieder mit deren einschlägigen Eigenschaften (Arme, Flügel, Beine). In der Wirbelsäule, den Rippen und den Schwanzwirbeln ist dieses Grundmuster gut zu erkennen.

Wenn der Hund mit seinem Schwanz wedelt, oder wenn der Fisch sich auf eine Seite krümmen will, dann braucht er hierzu einen stabilen Mittelpunkt um den herum er drehen kann. Denn nach einer Hin-Bewegung muß auch die Rückbewegung zustandekommen. Wenn zwei oder mehr Segmente sich auf einer Seite zusammenziehen, dann muß die andere Seite dieser Segmente nachgeben. Der Mittelpunkt, um den herum sich diese Segmente bewegen, das ist die Bandscheibe. Ohne Bandscheibe ist keine Rechts-Links-Bewegung möglich. Ohne Bandscheibe kann kein Hund mit seinem Schwanz wedeln. > Bandscheibe vom Ochsenschwanz

Die Wirbelknochen, die zwischen den Bandscheiben liegen, sind ja als Knochen in sich unbeweglich. Sie dienen als Gerüst, um die Muskeln daran anzuheften. Nimmt man die Wippschaukel als Vergleich, dann sind die Wirbelknochen das Brett der Wippe und die Bandscheiben der Lagerbock für dieses Brett. Viele solche Wippen übereinandermontiert ergeben dann die gesamte Wirbelsäule.

Der entscheidende Teil der Wirbelsäule ist damit die Bandscheibe, denn diese gibt der Wirbelsäule mit ihren Segmenten die Beweglichkeit.

Die Fische können im wesentlichen Rechts-Links-Bewegungen und Längsrotationen durchführen.

Die vierbeinigen Wirbeltiere können im wesentlichen Rechts-Links-Bewegungen, Längsrotationen und zusätzlich Beuge- und Streckbewegungen durchführen.

Der zweibeinige Mensch kann am meisten. Er kann die Rechts-Links-Bewegungen, er kann die Längsrota-tionen und er kann im gleichen Umfang nach vorne beugen, wie auch nach hinten beugen. Seine Glieder sind nicht wie beim Vierbeiner an der Vorderseite des Rumpfes angeordnet sondern seitlich parallel zur Längsachse der Wirbelsäule. Dies ermöglicht ihm den aufrechten zweibeinigen Gang. Verliert die Wirbelsäule ihre Beweglichkeit, weil z.B. einige Bandscheiben hart geworden sind, womöglich durch Stahl ersetzt wurden oder die bewegende Muskulatur im Streik liegt, dann geht damit die Fähigkeit zum Aufrichten und zum zweibeinigen Gang verloren. Der Betroffene merkt dies an charakteristischen Schmerzen, denjenigen diversen Schmerzen eben, die mehr oder weniger mit diesen Bandscheibenbewegungen zu tun haben. Es ist jedoch nicht die Bandscheibe, die die Schmerzen macht, sondern die pathologische Bewegung in der Nachbarschaft dieser Bandscheibe. Wer die Bandscheibe operiert, statt die Bewegung zu richten, der hat den biologischen Sinn der Wirbelsäule nicht verstanden.

Eine schmerzbezogene Therapie, die die bereits bestehende schlechte Situation durch noch mehr Versteifung beheben will, macht alles nur noch schlimmer. Denn solange der Mensch am Leben ist, will und muß er bewegen. Wenn der Mensch im Grabe liegt, dann braucht er nicht mehr bewegen. Solange dies noch nicht der Fall ist, kann nur die Steigerung oder Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit als Therapie bezeichnet werden. Die heute übliche Versteifungstaktik ist dies nicht. Die Folgen für die Betroffenen sind letztlich auch nicht sehr lustig.

Fakten und Wissensbasis

Zu jeder Therapie, speziell zu jeder Operation, müssen Sie als Patient Ihr Einverständnis erklären. Es soll ja freiwillig sein. Damit Sie wissen, was Sie unterschreiben, müssen Sie aufgeklärt sein. Bei der Fülle des heutigen Wissens ist es schwer die Übersicht zu behalten. Da ist es immer nützlich, sich die elementaren Grundlagen vor Augen zu halten.

Vor allem bedenken Sie eines: Der Mensch ist für die Steinzeit konstruiert. Da gab es keine gedämpften Schuhe, kein Getreide und kein Fahrrad und das einige Millionen Jahre lang. Es kann nie verkehrt sein, sich an seine Wurzeln zu erinnern

In der Natur gibt es keine Sinnlosigkeit. Hier ist alles logisch, man muß es nur erkennen. Sämtliche mentalen und sämtliche physischen Reaktionen des Körpers sind für die freie Natur konstruiert. Depressionen, Angstzustände oder Schmerzen ergeben plötzlich einen Sinn, wenn sie im logischen Zusammenhang der Biologie gesehen werden.

Wirklich krank wird der Mensch erst dann, wenn den biologischen Gesetzen zuwidergehandelt wird. Noch ist der Mensch keineswegs der Herr über seine eigene Biologie geworden auch wenn manche sich tatsächlich einbilden, das zu sein.

Der Akute Bandscheibenvorfall

Was tun, wenn ein akuter Bandscheibenvorfall festgestellt wurde? Die Schmerzen sind so groß, daß kein Bewegen und kein Schlafen möglich ist, der Fuß fängt an pelzig zu werden und langsam kommt es zu Lähmungserscheinungen beim Heben des Fußes.

Die Zeit scheint zu drängen, entweder operieren oder die Querschnittslähmung riskieren, das wird als Perspektive geboten.

Jetzt ist es wichtig, ruhig zu bleiben und seinen Körper genau analysieren. Es sind immer(!) die Bewegungen die weh tun. Manchmal ist es eine einzige Bewegung, manchmal sind es viele. Wenn es viele sind, dann muß der Reihe nach vorgegangen werden.

Zuerst jedoch zur Ruhe zwingen. Nicht die psychische Ruhe, die mechanische Ruhe ist gefragt. Dazu brauchen Sie eine stabile Unterlage, kein Latexbett und kein Wasserbett. Am besten auf den Boden liegen und mit Frottee-Handtüchern abstützen. Die bleiben formstabil.

Der übliche Übeltäter für solch üble Situationen ist der gerade Bauchmuskel. Der macht den Hexenschuß. So schlecht der sich aufführt, so leicht ist er zu therapieren. Das können auch Sie , auch wenn Sie es noch nie getan haben.

Die richtige Stelle ist die Oberkante des Schambeins direkt neben der Mittellinie. Er wächst hier in einer Linie von ca. 1,5 cm in den Knochen ein (> Muskelbilder). Von hier aus wird er reguliert, hier können Sie korrigieren, bzw. eine Hilfsperson soll das Korrigieren bewerkstelligen, denn Sie selbst können sich vor Schmerzen ja nicht rühren.

Auf dieser Insertionslinie muß einige Minuten lang ein leichter jedoch intensiver Fingerdruck ausgeübt werden. Dieser Fingerdruck wird im Fall des Falles als sehr schmerzhaft empfunden, auch wenn der Druck nicht stark ist. Dafür wird auf der Rückseite des Beckens der üble Hexenschußschmerz verschwinden.
Der gerade Bauchmuskel ist beim modernen Sitz-Menschen in den meisten Fällen in einem bedauerlichen Zustand. Von Kindesbeinen an befindet er sich durch die Dauersitzhaltung des modernen Menschen in maximal verkürzter Stellung. Da dies nicht genügt, gibt es eine Reihe weiterer Foltermaßnahmen, die diesem Muskel noch mehr zusetzen. Das beginnt beim Krafttraining („Waschbrettbauch“) und endet beim Fahrradfahren, was dann oft den letzten Kick ergibt.

Neben diesem geraden Bauchmuskel gibt es einer Reihe weiterer Muskeln, die Kreuzschmerzen produzieren können (Insgesamt acht Muskeln außerhalb des Beckens und acht Muskeln innerhalb des Beckens) (pro Körperseite). Wer also alle sechzehn Apparate an die Wand gefahren hat, der hat ein Problem, welches in echte Arbeit ausarten kann. Es ist jedoch egal, ob mit oder ohne Operation, diese Arbeit muß getan werden, denn durch die Operation ändert sich am geraden Bauchmuskel bestimmt nichts. (Außer die Bandscheibe wird durch den Bauch hindurch operiert.)

Über die Lähmungen im Fuß und das pelzige Gefühl brauchen Sie sich keine weiteren Gedanken machen. Das hat ohnehin nichts mit dem Rückenmark oder den Nerven zu. Solche Probleme können genau so gut von mißratenen Muskeln ausgehen. Im Fall der Fußprobleme handelt es sich um den Darmbeinmuskel (m.iliacus) in seinem innersten (medialen) Anteil. Dieser kann durch definiertes Üben (Assistiertes Üben) korrigiert werden.

Noch einmal: Bevor Sie sich operieren lassen – zwingen Sie sich, Ihren Körper nüchtern und möglichst präzise zu analysieren. Gehen Sie in aller Ruhe pedantisch genau der Reihe nach vor bis Sie die Situation im Griff haben. Wir machen es auch nicht anders.

Der Kreuzschmerz

Der Mensch ist ein Wesen, welches bewegt. Deswegen sind auf den menschlichen Körper die Bewegungsgesetze anzuwenden (Kinematik) und nicht die Gesetze unbewegter Körper (Statik). Die Kenntnis der mathematischen bewegungsgeometrischen Gesetze (Kinematik) und deren Anwendung auf die Eigenheiten des menschlichen Körpers ermöglichen eine funktionsbezogene Beurteilung von Beschwerden und Veränderungen des Körpers.

Die Zuordnung von Kreuzschmerzen und Lähmungen in den Beinen ebenso wie Nackenschmerzen und Lähmungen in den Händen auf einen Bandscheibenschaden (in der LWS bzw. in der HWS) entspricht der bestehenden schulmedizinischen Auffassung. Diese ist jedoch rein statisch und organbezogen orientiert und führt zu unzureichenden Therapiemaßnahmen, da die funktionellen kinematischen Zusammenhänge außer Betracht bleiben. Nach schulmedizinischen Therapievorstellungen muß die Bandscheibe letztlich chirurgisch entfernt werden bzw. durch eine Prothese ersetzt werden. Damit wird der Patient eher noch zusätzlich geschädigt, während die tatsächliche Ursache der Beschwerden so nicht behoben werden kann.

Die Medizin nach biokinematischen Kriterien ermöglicht die Beantwortung der Frage, wieso es überhaupt zu einem Bandscheibenschaden sowie zu Schmerzen und Lähmungen kommen kann. Außerdem ergeben sich Wege der Therapie, die zu einer endgültigen Ausheilung führen.

Die Bandscheibe ist im lebendigen Zustand weder Scheibe noch Band. Sie wird dies erst nach entsprechender Zeit im Formalinbad. Sie ist eine inhomogene halbfeste Struktur. Außerdem ist sie wesentlich schmäler, als dies auf Röntgenbildern aussieht.

Eine Bandscheibe verlagert sich nicht von alleine. Die Bewegungen der Bandscheibe sind an die Bewegungen der benachbarten Wirbelkörper gekoppelt. Wenn die Bandscheibe irgendwohin ausweicht, dann erfolgt dies im Zusammenhang mit entsprechenden Wirbelbewegungen. Die Wirbel bewegen ebenfalls nicht von alleine. Wirbel sind Calciumphosphat-Apatitkristalle – also Steine. Ein Stein bewegt nicht von alleine. Das, was die Knochen bewegt, sind die Muskeln im Körper. Wenn ein Knochen nicht bewegen kann, dann ist es ein Muskel, welcher nicht mehr imstande ist, diesen Knochen zu bewegen.

An der Bandscheibe befinden sich keine Muskeln. Dafür gehen von den benachbarten Wirbelknochen um so mehr Muskeln aus. Wenn eine Bandscheibe, eingeklemmt zwischen zwei Wirbelknochen, nicht mehr bewegen kann, dann stellt sich die Frage, welche der Wirbelsäulenmuskeln derart inaktiv geworden ist, daß es zu der Bandscheibenverlagerung gekommen ist. Wenn dies bekannt ist, dann ist damit auch die Frage beantwortet, wieso der Bandscheibenvorfall entstanden ist und wie dies therapiert werden kann.

Konkret handelt es sich bei den Ursachen für den Bandscheibenschaden ebenso wie den Schmerzen und Lähmungserscheinungen um geometrische (nicht kraftabhängige) Fehlfunktionen der vorderen wirbelsäulennahen Muskulatur ( z.B. Musculus psoas im Beckenbereich). Diese Muskulatur führt die Relativbewegungen zwischen dem Bein und der unteren Wirbelsäule durch. Ohne diese Muskulatur ist eine Bewegungsübertragung von der Wirbelsäule zum Bein und retour nicht möglich. Sie ist bei der heutigen vornehmlich sitzenden Tätigkeit der modernen Menschen regelmäßig verkürzt und in schlechtem Arbeitszustand.

Bei einer verkürzten vorderen Wirbelsäulenmuskulatur werden die dazwischenliegenden Bandscheiben wegen des permanent (auch im Schlaf) wirkenden Muskelzuges nach hinten in Richtung Rückenmark verdrängt und verlagert. Kommt zu der Verkürzung noch eine Asymmetrie der Binnenstruktur des Muskels hinzu, dann entstehen zusätzlich Schmerzen und ggf. Lähmungen. Die Ursache von Schmerzen und Lähmungen sind im funktionsgestörten Muskel zu suchen und nicht in den Bandscheiben, Nerven, Wirbelgelenken o.ä. Das gleiche gilt sinngemäß für die Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule.

Bei der chirurgischen Therapie wird die Bandscheibe entfernt. Bei der kinematischen Therapie wird die verursachende Muskulatur in ihrer Funktion korrigiert. Damit verschwinden Schmerz und ggf. Lähmung von alleine. Die Funktion der Wirbelsäule bleibt erhalten, die naturgemäß nach einer Bandscheibenentfernung lebenslang eingeschränkt wäre.

Die praktische Durchführung der Therapie erfolgt unter Ausnutzung der regulativen Prozesse der Muskulatur.

Ein Muskel wird nicht durch den Therapeuten aufgebaut. Diese Arbeit kann ausschließlich der Körper selbst verrichten. Der Therapeut kann die dazu nötigen Reize im Körper des Patienten setzen, damit daraufhin der Körper entsprechende Veränderungen reaktiv vornimmt. Ein Mensch wird dann zum Patienten, wenn in irgendwelchen Muskelarealen die geometrische Fehlfunktion so groß geworden ist, daß eine Eigenkontrolle nicht mehr möglich ist. In solch einem Zustand bedarf er der Hilfe von außen.

Die statische Betrachtungsweise der Bandscheibe mit den zugeordneten Schäden und Beschwerden (Schmerz, Verschleiß, Nerveneinklemmung etc.) haben sich in der allgemeinen Vorstellung breit eingebürgert. Dies führt leicht zu einer allgemein angstbeladenen Grundhaltung, welche vor eigenen z.B. sportlichen Maßnahmen zurückschrecken läßt („Bewegen, aber nur bis zur Schmerzgrenze“). Dies ist eine Falle, aus der ein Betroffener schwer herausfindet. Ein Umdenken ist hier sowohl auf intellektueller Ebene wie auch in der Bewertung der eigenen Körperempfindung notwendig.

Die bei uns durchgeführte Therapie berücksichtigt die verschiedenen Ebenen des Schmerzgeschehens indem die Patienten nicht nur passiv therapiert werden, sondern vom ersten Moment an gedanklich und körperlich, theoretisch und praktisch in die Therapie aktiv einbezogen werden. Der Patient wird sozusagen zum Therapeuten in eigener Sache ausgebildet.

Die Dino - Bandscheibe

Ein Dinosaurier-Wirbelkörper, ca. 50 Millionen Jahre alt, aus Südengland. Sehr gut sichtbar seitlich die Knochenbälkchen und oben auf der Oberfläche die versteinerte Bandscheibe, ohne welche auch die Dinosaurier nicht bewegen konnten und dies auch taten, trotz ihres Gewichtes.

Bei den Wirbeltieren ist die Bandscheibe der Drehmittelpunkt der Wirbelsäule. Ohne Bandscheibe wird der Körper starr wie bei den Insekten.

Bei Bandscheibenoperationen wird diese Starre chirurgisch herbeigeführt, speziell wenn die Bandscheibe durch Bandscheibenprothesen ersetzt wird („cage“ etc.).