Im Kern wird Asthma heute als eine Immunkrankheit aufgefaßt, einmal weil entsprechende Medikamente helfen (Cortison), weiter weil laborchemisch entsprechende Parameter feststellbar sind.

Die vielfältigen bekannten Therapien sind allesamt nicht in der Lage, die Asthma-Krankheit auszuheilen. Alles was möglich ist, ist die Symptome zu lindern um überhaupt ein Überleben zu ermöglichen. Alle bekannten Therapien sind mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Die Lebenserwartung ist herabgesetzt.

Es gibt zwei Arten von Asthma: entweder ist die Einatmung behindert, oder die Ausatmung (inspiratorische bzw. exspiratorische Spastik) niemals jedoch beides.

Der Körper versucht mit aller Kraft Luft in die Lunge hineinzubekommen oder Luft herauszubekommen. Das Tragische hierbei ist, daß ein Körperteil mit einem anderen Körperteil zu kämpfen scheint. Je stärker die Anstrengung wird, desto größer scheint der Widerstand zu werden. Kraft und Gegenkraft halten sich die Waage und treiben sich gegenseitig weiter an.

Dieser Kampf geht solange weiter, bis der Körper vor Erschöpfung einfach stirbt, oder dieser Wechselkampf von Anstrengung und Behinderung irgendwie unterbrochen wird. Diese Unterbrechung erfolgt heute erfolgreich durch Einsatz von Medikamenten. Der nächste Anfall kommt jedoch so sicher wie der nächste Winter. Als Folge des stagnierenden Lufttransportes leidet der Betroffene während der gesamten Anfallsdauer unter ständiger höchster Erstickungsnot.

Wie auch immer die Bronchialspastik zustandekommt, so sollte es doch von Wichtigkeit sein zu wissen, wie diese Entgleisung des normalen Atmungsvorganges muskelmechanisch tatsächlich durchgeführt wird.

Dies wird durch die manuelle Untersuchung des Körpers im Verlauf des Anfalles erkennbar. Mit den Fingern läßt sich tasten, was kein Labor und kein Röntgenbild zeigen kann. Es ist tastbar, daß der pathologische Prozeß, dieser unnatürliche Kampf eines Körperteils gegen einen anderen sich nicht zwischen Bronchien und Brustkorb abspielt, wie dies oberflächlich aussieht, sondern zwischen Brustkorb und Halswirbelsäule.

Mit dieser Beobachtung werden grundsätzlich neue Therapieperspektiven sichtbar und die gesamte medizinische Asthmatheorie erweist sich als zu kurz gedacht.

Die Immunologie, die Fehlantwort der Bronchialschleimhaut auf allergene Reize ist nicht der Träger des asthmatischen Prozesses sondern lediglich dessen Auslöser. Der wirkliche Entgleisungsprozess spielt sich zwischen Halswirbelsäulenmuskulatur und Rippenmuskulatur ab.

Asthma ist eine Krankheit, welche sich von der Biokinematik des Körpers ableitet.
Von der Kinematik des Körpers her betrachtet ist Asthma ein Problem der unteren Halswirbelsäule (HWS). Und dieses Problem ist mit den Therapiemethoden der Biokinematik erfolgreich zu behandeln.

Zum Verständnis

Bei der Einatmung vollführt der Brustkorb (Thorax) mit seinen Rippen mehrere Bewegungen. Insgesamt wird der Thorax als Ganzes nach oben Richtung Kopf gezogen. Dabei entfernen sich die einzelnen Rippen voneinader, so wie sich die Finger der Hand voneinader entfernen, wenn die Hand gespreizt wird. Die unteren Rippen bewegen sich dabei Richtung Becken, die oberen Richtung Kopf. Etwa die fünfte Rippe bewegt sich nicht, sie ist der Totpunkt, wie man in der Technik sagen würde. Wenn die Hand gespreizt wird, ist es der Mittelfinger, welcher die Funktion des Totpunktes übernimmt. Im Verhältnis zum Brustbein und zur Wirbelsäule bewegen sich die Rippen wie der Henkel von einem Eimer.

Die Einatmung erfolgt aktiv unter Einsatz von Muskelkraft. Die Ausatmung erfolgt passiv, indem die Einatmungsmuskulatur erschlafft und dem Thorax erlaubt, wieder nach unten zu fahren. Die Ausatmung geschieht nicht rein passiv, indem der Thorax irgendwie dorthin zurückkehrt, wo er herkommt. Die Ausatmungskraft kommt vielmehr dadurch zustande, indem bei der Einatmung der Rippenknorpel, welcher die Rippenknochen mit dem Brustbein verbindet in seiner Längsrichtung verdreht wird und dabei wie eine Feder aufgespannt wird. Der Rippenknorpel ist insofern eine Torsionsfeder, welche bei der Einatmung durch die Einatemmuskulatur aufgespannt wird und deren Federkraft bei der Ausatmung den Thorax wieder in die Ausgangsposition zurückführt.

Das Atmen an sich erfordert erhebliche Kräfte. Wenn ein Mensch ruhig bei 25° Raumtemperatur im Bett liegt und hierbei maximal atmet, wie dies bei bestimmten Hirnverletzungen vorkommt, dann verbraucht er pro Tag 6000 bis 7000 Kilokalorien, also alles, was der Körper an Energie bereitstellen kann. Allein die Brustkorbbewegung reicht aus, den Körper bis an seine maximale Leistungsfähigkeit auszulasten. Der Brustkorb mit der bewegten Luft stellt also eine erhebliche Masse dar.

Damit der Thorax richtung Kopf bewegt werden kann, muß zwischen Kopf und Brustkorb irgendwo ein Aufhängepunkt installiert sein. Dies ist nach Lage der Dinge die Halswirbelsäule. Die HWS dient als Stützpfeiler, an dem der Thorax hochgezogen wird, wie der Mittelpfeiler bei einem Zirkuszelt an welchem das Zelt emporgezogen wird.

Es ist klar, daß bei dieser Aktion die HWS entsprechend stabil sein muß. Sie darf bei der Einatmung nicht einknicken. Genau dies passiert jedoch beim Asthmatiker.

Wenn ein Asthmakranker versucht einzuatmen, also den Thorax nach oben zu ziehen, dann bringt er seinen Thorax nicht nach oben, er zieht viel mehr seine HWS nach unten. Die Einatembewegung bleibt stecken und die HWS knickt nach vorne und unten wenn sie instabil ist.. Je kräftiger er einatmet, weil er keine Luft bekommt, desto schlimmer wird die Instabilität. Zum Schluß ist der Thorax maximal nach oben gezogen und die HWS maximal nach unten gestaucht. Dies ist dann der Endzustand der sog. „status asthmaticus“, wo dann gar nichts mehr geht und wo dann der Erstickungstod eintritt, wenn nicht durch entsprechend starke Medikamente der Teufelskreis durchbrochen wird.

Durch die Medikamente wird die HWS jedoch nicht stabiler. Soll diese gestörte Wechselfunktion zwischen Thorax und HWS beendet werden, dann muß die HWS korrigiert werden. Konkret muß die mechanische Funktion der HWS wiederhergestellt werden, also deren Muskulatur- und Gelenkfunktion. Dies ist nicht mit Medikamenten zu erreichen, sondern durch gezielte kinematikspezifische Methoden.

Grundsätzlich handelt es sich bei Störung, welche Asthma auslöst, um eine „unerlaubte“ Verschieblichkeit des HWK 6 oder HWK 5 nach vorne. Eine ähnliche Störung gibt es auch in der LWS, welche hier Spondylolisthesis genannt wird. Anstatt stabil zu bleiben rutscht der HWK 5 nach vorne und läßt die darüberliegende HWS incl. Schädel einknicken. Ursache für das Verrutschen nach vorne ist eine Minderfunktion der hinteren HWS im betroffenen Segment, also der tiefen Nackenmuskulatur. Diese Muskulatur hat sich irgendwann einmal verabschiedet und liegt im Streik. Krank ist sie jedenfalls nicht oder etwa nicht vorhanden. Sie wird lediglich bei der Einatmung nicht rekrutiert, also in Dienst genommen. Dies muß behoben werden.

Parallel zu der Fehlfunktion der hinteren Muskulatur des tiefen Nackens entwickelt sich auf der Vorderseite der betroffenen HWS-Segmente eine mehr oder weniger starke Verkrampfung derjenigen Muskulatur, welche versucht, die Rippen Richtung HWS zu ziehen. Konkret verhalten sich diese Muskeln wie ein unnachgiebiger Strick und genauso fühlen sie sich auch an, wenn man sie mit dem Finger untersucht. Man glaubt man tastet Drahtseile. Sie geben also nicht mehr nach, auch wenn der betroffene Patient sich noch so sehr bemüht, alles locker zu lassen.

Beides zusammengenommen, die kontrakte unnachgiebige vordere tiefe Halsmuskulatur in Verbindung mit der übermäßig „lockeren“ hinteren Halsmuskulatur verhindern eine spontane Normalisierung der Funktion. Da es nicht möglich ist, die Atemmuskulatur einmal ausruhen zu lassen, wie die Beine oder Arme, man braucht schließlich Luft zum Leben, bleibt diese Fehlfunktion bestehen, wenn sie einmal entstanden ist.

Hinzu kommt noch, daß die HWS noch weitere Aufgaben zu bewältigen hat, als den Schädel zu tragen. Sie ist zusätzlich ein Kontroll- und Regelorgan, welches die Sinnesfunktionen, welche im Schädel lokalisiert sind, mit den darunterliegenden Körperfunktionen abstimmt. Auch befinden sich lebenswichtige weitere Organe im HWS-Bereich, wie z.B. Rückenmark, Arterien und Venen.

Jedes Kind weiß, daß bei Stress der Nacken eingezogen wird, die HWS bei jeder psychischen Aktion also mitreagiert. Wenn die HWS sowieso instabil ist, dann genügt ein beliebiger zusätzlicher Anlaß, um das System komplett zum Entgleisen zu bringen. Der Asthmaanfall wird ausgelöst. Um eine so gestörte HWS zu normalisieren, bedarf es der Hilfe von außen.

Ein Knochen bewegt sich nicht von alleine. Ein Knochen ist ein Stein, wenn auch ein lebendiger Stein. Auch ein Halswirbelkörper ist solch ein Stein, der keine eigenen Füße hat. Er wird von Muskulatur bewegt und von Muskulatur zurückgehalten. Die Geometrie der vorgesehen Bewegung bestimmt sich nach der Form von Gelenkoberflächen, Muskelgeometrie und Gelenkbandgeomtrie. Diese Formen sind anatomisch festgelegt und ändern sich nur aufgrund von Gewalteinflüssen (und orthopädischen Operationen).

Das einzig variable im Körper ist der Muskel, dies auch im Halsbereich. Ein Muskel ist trainierbar. Er kann je nach Vorhaben lang oder kurz umgebaut werden, dick oder dünn trainiert werden. Es muß nur getan werden. Damit dies getan werden kann, müssen die entsprechenden Techniken beherrscht werden. Sie können und müssen erlernt werden, wenn man Herr über seinen Körper sein will.

Wenn einem Muskel ein Trainingsreiz gegeben wird, dann benötigt er einigen Tage, um diesen Reiz in die Realität umzusetzen. Es muß neue Muskelmasse entstehen die Sehen wird verstärkt, es entstehen neue Nervenanschlüsse (Synapsen), Blutgefäße müssen wachsen etc. Dies alles dauert einige Tage, dann ist es jedoch vorbei und der Körper ist mit dem Umbau fertig. Dies gilt auch für die HWS. Auch beim Asthma dauert das gezielte Umbauen der HWS-Muskulatur lediglich einige Tage. Da die HWS kompliziert gebaut ist, wird sich nicht alles auf einmal beheben lassen, sondern schrittweise verändern. Alles in allem dauert eine erfolgreiche Therapie ein bis zwei Wochen. Wenn es länger dauert, wurde fehlerhaft gearbeitet. Dann müssen die Fehler behoben werden und von vorne begonnen werden.

Die Therapie des Asthma nach biokinematischen Grundsätzen ist also eine sehr wirksame und schnelle Therapie. Medikamente werden nicht benötigt. Eine Besserung tritt auf jeden Fall bereits bei der Erstbehandlung ein, da hier der Behandler mit speziellen manuellen Techniken die passiven muskulären Sperrungen der vorderen HWS-Muskulatur aufheben wird. Damit sind erst einmal die wichtigsten passiven Hindernisse zur freien Atmung beseitigt. Es ist dies eine der dankbarsten Maßnahmen überhaupt, die man als Therapeut durchführen kann. Die weiteren Schritte sind dann vom Patienten selbst durchführbar. Man muß nur den Mut haben, umzudenken, und sein Schicksal in die eigene Hand nehmen.